Von Mythen und Fabelwesen

Von Mythen und Fabelwesen

Sicher kennt jeder von uns die Geschichten und Aussagen vieler Angler die man so an den Gewässern trifft. Diese Aussagen gehen von „hier ist nicht viel zu holen“ bis hin zu „hier sind 30 Kg Fische im Gewässer!“. Die Wahrheit liegt oft irgendwo dazwischen. Aber genau bei solchen „Mythen“ werde ich neugierig und möchte wissen was es damit auf sich hat. Freunde von uns, Robert und Tristan von Highspeedfishing, der Eine oder Andere kennt sicher ihre Youtube-Videos, waren genau an solch einem Gewässer im März Fischen. Die Bedingungen hätten schwieriger nicht sein können. Sie hatten mit einem Wetterwechsel bzw. einem Kälteeinbruch zu kämpfen. In diesen Phasen ist es schwer im Frühjahr einen Fisch ans Band zu bekommen, meist sind die Mäuler regelrecht zugenagelt. Nichts des so trotz haben die Beiden drei Tage alles probiert und wurden schlussendlich mit einem schönen Fisch belohnt.

„das Ergebnis tagelanger Arbeit „

Sie trafen natürlich auch auf andere Angler, darunter auch einige, die dort des Öfteren auf Karpfen ansitzen. Es sei kein Wunder, dass sie dort nicht jede Nacht Fisch fangen, zum einen seien wenig Fische in diesem Gewässer und zum anderen wäre das Durchschnittsgewicht recht hoch. Alles an dieser Aussage deutete auf große erfahrende Fische hin. Der Fisch von Robert und Tristan war mit 11 Kg im Frühjahr nicht der kleinste Fisch aber sicher gab es in diesem See noch mehr. Als mir dann noch berichtet wurde, dass es unter diesen großen Fischen auch noch richtige Beauty´s gäbe, war bei mir alles vorbei. Ich musste da hin! Nach kurzer Absprache mit den Beiden und deren OKAY war der Entschluss gefasst. Nun geht man solch ein schwierigen See nicht alleine an, sondern man nimmt sich seinen besten Freund mit. Ich musste Benny, so heißt mein Bester, nicht lange davon überzeugen an dieses Gewässer zu fahren. Benny hatte in diesem Jahr ohnehin noch nicht so viele Nächte auf dem Buckel und war somit nicht wählerisch was das Gewässer anging. Er wollte einfach nur raus ans Wasser und Fische fangen. Wir beschlossen den See am Pfingstwochenende zu beangeln, da wir so noch den Pfingstmontag nutzen konnten. Gesagt getan, Freitag noch schnell die Tochter in die Kita gefahren und schnell Sachen in das Auto geschmissen. Nun ab zu Benny und rauf auf die Autobahn. Die Ankunft am See ist immer etwas Magisches. Der ca. 7 Hektar große See liegt still und spiegelglatt vor uns. Schnell machten wir uns einen kurzen Überblick und suchten nach Anhaltpunkten für Spots. Schilf, überhängende Bäume, Totholz und alte Stegpfeiler gab es genug. Schnell waren wir uns über die Seitenwahl einig und durchaus zufrieden. Also schnell das Camp aufgebaut und nebenbei schon mal den Espresso-Kocher heißlaufen lassen und rauf aufs Wasser, Spots suchen. Das Wetter an diesem Freitag war überragend für diese Jahreszeit. Wir hatten knapp 25 Grad und Sonnenschein. Auch das Wasser hatte auf einer Tiefe von 2 Meter gute 18 Grad. Perfekte Bedingungen also. Aber uns stand ein Wetterumschwung bevor, die Temperaturen sollen tagsüber um gut 12 Grad fallen. Dazu später aber mehr…

„Spot-Suche vielleicht das entschiedenste Element“

Nachdem wir uns einige Spots gesucht hatten, ging es ans Füttern. Das Futter war recht einfach aber effektiv. Mais, Weizen, Hanf, Tigernüße und eine gute Portion Grundfutter, fertig ist das Schmackofatzo. Wir wussten, dass es einen recht großen Weißfischbestand gab. Nun würden Viele alles daran setzen diese Plagegeister nicht auf ihren Platz zu locken. Wir wollen sie sogar am Platz haben!! Unsere Gedanken dahinter ist recht simpel, wir möchten von Minute eins, Aktivität am Platz. Wir erhofften uns somit, dass die Fische schnell auf unseren Futterplatz aufmerksam werden. Klar müssten wir mit Beifängen rechnen aber auch in diesen Situationen hätten wir eine Lösung gefunden.

„man sollte sich aber auch ein wenig Entspannung gönnen“

SPOTS: zuerst möchte ich auf die allgemeinen Bedingungen des Sees eingehen. Die Uferbereiche sind meist 80 Zentimeter bis 3,50 Meter tief, danach fallen die kanten recht schnell auf über 6 Meter ab. Da wir die flachen Stellen des Sees befischen möchten (80 Zentimeter bis 3 Meter), ist der Bereich in dem wir arbeiten können recht schmal. Dennoch bieten diese Bereiche im Gesamten viel Fläche, da sich diese Flachwasserbereiche um den halben See ziehen. Benny hat sich einen Spot nah an unserem Camp unter einem überhängenden Baum gepickt. Einen weiteren Spot fand er auf der gegenüberliegenden Uferseite vor einem Schilfgürtel. Die Tiefen lagen bei ca. 1,20 Meter bis 1,80 Meter. Das Wasser war sehr klar und man konnte somit ohne große Mühe 2 Meter tief schauen. Das machte es uns leichter Anzeichen auf Fischaktivität zu finden. Leider hört sich das einfacher an als es dann doch war. Es waren überall kleine Fraß-Löcher zusehen die sich in der Größe kaum unterschieden haben. Also suchten wir nach kleinsten Unterschieden in der Uferstruktur. Auf meiner Seite gab es eine überhängende Birke, die markant 15 Meter in das Gewässer ragt. Sie hängt voller Blätter, somit spendet sie Schatten und Schutz für die Fische. Neben der Birke liegt noch einiges an Totholz im Wasser, was den Spot noch attraktiver, aber auch weit gefährlicher macht. Es kann also gut sein, dass die Fische diese Stelle im See mehrmals am Tag anschwimmen oder sogar dort tagsüber verweilen. Eine sogenannte „Homezone“ oder auch“ Ruhezone“ genannt. Egal wie man es nennen mag, hier kann man höchstwahrscheinlich immer wieder Fische antreffen. Ich suchte mir einen Spot auf ca. 80 Zentimeter Tiefe, wo ich mehrere kleine Fraß-Löcher ausmachen konnte. Diese befütterte ich auf einer Fläche von 10 Quadratmeter. Den 2. Spot fand ich auf der gegenüberliegenden Uferseite vor einem Baum dessen Wurzeln etwa 2 Meter ins Wasser ragten. Auch hier befütterte ich eine etwas größere Fläche. Endlich konnten wir uns zurücklehnen, entspannen und auf den „Riesen“ warten. Der Abend verlief ruhig und wir machten uns nach einem anstrengenden Tag auf den Weg ins Bett. Bis 0:30 Uhr passierte erst einmal nichts, dann plötzlich, ein durchgehendes schreien meiner Bissanzeiger! Ja Wahnsinn, die erste Nacht und dann gleich ein Run. Der Fisch versuchte immer wieder in das Totholz zu schwimmen, da es sich hierbei aber nur um einen halbstarken Fisch handelte, hatte ich keine großen Probleme ihn davon abzuhalten. Nach guten 5 Minuten konnte ich den Fisch im Kescher platzieren. Ich kontrollierte den Köder und brachte die Rute schnell wieder an ihren Platz. Aufgrund der geringen Entfernung, konnte ich die Rute auswerfen. Mit einem guten Gefühl legten wir uns wieder hin.

„der erste Fisch, die erste Nacht“

Das gute Gefühl wurde keine 3 Stunden später mit einem weiteren Lauf bestätigt. Es lief hervorragend und wir hätten uns das im Vorfeld so nicht vorstellen können. Dieser Fisch fühlte sich weit besser an. Der Drill verlief auch nicht wie erwartet, der Fisch war zuerst gar nicht daran interessiert in das Holz zu schwimmen. Er nahm direkten Kurs auf das Freiwasser, wo wir zuvor schon ein größeres Krautfeld fanden. War das einer dieser erfahrenen und vielleicht sogar großen Karpfen??? Das Adrenalin stieg und wir konnten es kaum erwarten diesen Fisch das erste Mal zu sehen. Benny bereitete derweil alles für die Versorgung und das Foto vor. Genau das ist es was ich so unglaublich zu schätzen weiß, wenn man mit einem Freund am Wasser ist. In diesen Situationen kann ich mich immer auf ihn verlassen und muss das nicht einmal mehr kommunizieren, es passiert einfach. Der Fisch zeigte sich das erste Mal an der Wasseroberfläche und wir haben sofort gesehen, dass dies ein guter war. Nach gut 10 Minuten konnten wir auch diesen Fisch sicher ins Netz geleiten. Wir freuten uns tierisch über diesen Fisch! Das wiegen ergab ein Gewicht von gut 9,5 Kg, das ist schon einer der Besseren, aber hier geht definitiv mehr. Eins kann man aber jetzt schon sagen, es sind wunderschöne Fische, einer schöner als der andere. Bis hierhin hat sich schon alles gelohnt. Das was von der Nacht übrig war, konnten wir in Ruhe in unseren Schlafsäcken genießen.

„der 2. Fisch brachte schon ein paar Kilo mehr auf die Wage, zudem war er charakteristisch mit seinen drei tellergroßen Schuppen“

Am nächsten Morgen werteten wir die Nacht kurz aus und waren uns schnell einig hier eventuell eine „Homezone“ gefunden zu haben. Ich beschloss die zweite Rute auch in dieses Areal zu legen. Ein Spot war schnell gefunden, auf 3 Meter direkt unter der großen Birke. Unser Gedanke dahinter war, dass die größeren Fische eventuell schon etwas tiefer fressen. Benny fuhr noch einmal das gegenüberliegende Ufer ab. Er kontrollierte die zuvor gefütterten Spots und stellte fest, dass auch dort Aktivität am Platz gewesen sein muss. Die Fraß-Löcher sind zusammengewachsen und ergeben nun einen großen Bereich. Wir können natürlich nicht genau sagen ob das eventuell auch Weißfische waren, die den Platz dort dermaßen leer geräumt haben. Mit Bissen am Tage rechneten wir nicht, aber auch hier wurden wir eines Besseren belehrt. Gegen 14.30 Uhr lief die Rute, die ich zuvor erst auf 3 Meter unter dem Baum abgelegt hatte. Da ich schon 2 Fische fangen durfte, beschlossen wir vorab das der nächste Lauf Benny gehört. Benny spürte sofort, dass das ein richtig guter Fisch sein muss. Er konnte ihn kaum etwas entgegensetzen und musste darauf hoffen, dass der Fisch sich nicht in einem Baum festsetzt. Das lief Anfangs auch sehr gut, doch 10 Meter vor unseren Füßen lag ein weiterer großer Baum, den wir ehrlich gesagt etwas unterschätzt haben. Der Fisch setzte sich darin fest und auch nach mehreren Minuten bekamen wir den Fisch nicht los. Benny hatte Sorge, dass sich der Fisch an einem Ast festgesetzt hatte und es nicht schaffen würde sich aus eigener Kraft zu lösen. Also entschloss er sich ins Wasser zu springen und nachzuschauen. Glücklicherweise hing nur noch der Haken und ein paar weitere Montagen von anderen Anglern mit dem womöglich gleichen Problem an diesem Ast. Benny löste alles und tauchte mit dem blanken Haken und den zwei zusätzlichen Montagen wieder auf. Die Enttäuschung über den Verlust des vielleicht ganz Dicken war groß. Der Einsatz von Benny war riesig. Das Wasser hatte nach der ersten Nacht gerade einmal 18 Grad, also alles andere als Badetemperatur. Wie war das noch gleich mit dem Verlassen der Komfortzone, um dicke Fische zu fangen? Schwamm drüber, Rute neu montiert, reingeschnackt und nachgefüttert.

„auch am 2. Tag bleibt das Spoten nicht aus „

Benny musste auf dem späten Nachmittag leider erst mal los und konnte erst wieder in der Nacht ans Wasser kommen. Derweil hatte ich genug Zeit mir meine Gedanken über das Gewässer und deren Bestand zu machen. Die Informationen, die wir vorab bekommen hatten, besagten, dass seit einer längeren Zeit nicht mehr besetzt wurde. Da wir aber einen 6 Kilo Fisch fangen konnten, kann diese Aussage kaum zu glauben sein. Vielleicht wurden vereinzelte Fische eingesetzt, das kommt ja nicht selten in Seen mit einem schmalen Bestand vor. Des Weiteren muss man sich fragen, ob es die ganz dicken Fische hier gibt. Den Glauben daran möchte ich nicht verlieren, aber der Mythos wackelt. Bevor ich mich zu tief in den Gedanken verlieren kann, schreien mich meine Bissanzeiger erneut mit einem Dauerton an. Exakt 3 Stunden nach dem letzten Biss auf dem Spot. Diesmal will ich nix anbrennen lassen und steige umgehend in das Boot und fahre raus in die Seemitte. Der Fisch versucht sich immer wieder ins Holz zu setzen und somit muss ich ihn etwas härter als gewohnt aus der Gefahrenzone ziehen. Kaum ist das Holz nicht mehr zu erreichen, nimmt er Kurs auf das in der Seemitte befindliche Krautfeld. Nach etwas mehr als 10 Minuten hatte ich den wunderschön gefärbten Spiegler im Netz. Mit einer Sache hatten die Erzähler recht, die Fische in diesem See sind richtige Perlen. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht fahre ich zurück und konnte es kaum erwarten diesen Fisch in die Kamera zu halten.

„schön sind sie ja „

Nach dem erneuten ablegen der Rute und dem Füttern, setzte ich mich erstmal und musste diese überragende Situation erst einmal selber begreifen. Ich hoffte, dass der nächste Fisch erst abläuft, wenn Benny wieder da ist und wir dann doch noch zu der dicken Mutti kamen. Ich war für mich mit diesem Wochenende zufrieden und durch. Nun stand für mich der Erfolg meines Freundes im Fokus. Mit dem Wurfrohr fütterte ich alle zu erreichenden Spots noch einmal nach. Nun konnte ich mich beruhigt auf die Liege legen und schlafen. Benny müsste gegen 0 Uhr wieder da sein und das ist genau die Zeit, in der es noch einmal heiß wird. Ich war guter Dinge das hier noch einer um die Ecke kommt. Irgendwie war ich unruhig und konnte nicht richtig schlafen. Die Gedanken drehten sich immer noch um die großen Fische die hier rumschwimmen sollen. Als ich gerade eine Sprach-Nachricht in unsere Karpfengruppe hinterlassen wollte, musste ich diese wegen einem erneuten Dauerton meines Bissanzeigers unterbrechen. Benny, der schon auf dem Weg war hörte sich die Nachricht an und konnte das Schreien der Bissanzeiger noch hören. Er war gerade von der Autobahn abgefahren und noch 10 Minuten von dem See entfernt. Dieser Fisch fühlte sich gleich wieder etwas besser an. Der große Vorteil an diesem Drill war, dass der Karpfen keinerlei Anstalten machte in die Bäume zu schwimmen. Generell gab er sich recht schnell seinem Schicksal hin. Somit musste ich gar nicht darüber nachdenken in das Boot zu steigen. Nach kurzen 5 Minuten lag der Fisch in Kescher. Keine fünf Minuten Später kam auch schon Benny, er begrüßte mich mit den Worten „das kann doch nicht wahr sein“ und das traf den Nagel auf den Kopf. Das kann doch alles nicht wahr sein. Die Waage zeigte 9 Kilo an. Wieder waren wir an der 10 Kilo-Grenze gescheitert aber auch wieder wurden wir mit einem wunderschönen geschuppten Spiegelkarpfen belohnt. Schnell brachten wir die Rute wieder raus und legten uns zum schlafen. Leider konnten wir an diesem Morgen ausschlafen und es kam kein weiterer Fisch mehr vorbei.

„allein für diesen Fisch hat sich dieser Trip gelohnt“

Es ist relativ kalt geworden und wir haben unangenehmen Ostwind auf dem kleinen Gewässer stehen. Wir entschlossen uns noch die Mittagsstunden mitzunehmen aber leider konnten wir keinen weiteren Fisch verhaften. Bis auf den Wermutstropfen, dass Benny keinen Fisch fangen konnte, war das ein grandioses Wochenende. Für uns stand schon vor der Abfahrt fest, dass wir ein zweites Mal ansetzen müssen. Also setzten wir 14 Tage später zu einem erneuten Versuch an. Diesmal hatten wir leider nicht so viel Zeit im Gepäck. Wir entschieden uns auf Wunsch von Benny, uns diesmal in den hinteren Teil des Sees zu setzen. An dem kam man aber weitaus schwieriger ran, es war richtig viel Arbeit für 2 kurze Nächte. Ich konnte sogar nur eine Nacht und den kommenden Tag. Aber nichtsdestotrotz, die Ruten müssen ins Wasser, damit sie was fangen. Ich war freitags schon etwas früher am Wasser und konnte somit viel Zeit mit Location verbringen. Als die passenden Spots gefunden waren ging es ans Füttern und ans Ablegen. Wie gehabt, suchte ich mir einen Spot auf ca. 1 Meter Tiefe unter einer überhängenden Baumreihe, wo ich schon sehen konnte, dass einige Karpfen dort fressen. Eine weitere Rute legte ich ebenfalls unter einen Baum, diesmal aber auf circa 2,50 Meter. Ich wollte für mich herausfinden, ob Bäume an diesem See eventuell eine gewisse Garantie versprechen. Für Benny suchte ich einen Spot auf circa 1,50 Meter, in einer ruhig gelegenen Bucht. Auch hier konnte man einige Fress-Aktivitäten der Fische am Boden erkennen. Als zweiten Spot wählte ich eine Sandbank die auf 3,50 Meter lag. Die Umgebung hiervon lag im Schnitt 2 Meter tiefer. Somit sollte sie ein markanter Punkt im See sein. Benny traf gegen 18 Uhr vollkommen geschafft von Arbeit und dem Schleppen des Tackles ein. Er ließ keine Minute vergehen und fing sofort an sein Zeug aufzubauen und die Ruten raus zu fahren.

„das Tackle an den Platz zu bekommen, ist harte Arbeit“

Nach knapp 2h weiterer harter Arbeit, ist es geschafft und wir widmen uns dem angenehmen Teil des Angelns. Wir schmeißen den Grill an und lassen es uns schmecken. An aufessen war aber gar nicht zu denken denn gegen 23 Uhr lief die erste Rute auf 3 Meter ab. Obwohl wir recht nah an den Ruten saßen, schaffte es der Fisch viel Schnur von der Rolle zu nehmen. Er schwamm sofort 20 Meter nach links in ein Areal voller Totholz. Ich spürte ihn noch einmal mit dem Kopf schlagen und danach rein gar nichts mehr. Auch mit dem Boot konnte ich nichts mehr retten. Was tun? Der Spot war perfekt aber er lag einfach zu gefährlich und ich hatte Angst noch einen Fisch im Holz zu verlieren. Ich entschied den Weg bis in das Totholz etwas länger zu machen und hoffte, dass der Fisch dann eher das naheliegende Krautfeld aufsuchen würde. Ich ärgerte mich noch bis in die späten Abendstunden über den Verlust. Gegen 3:30 Uhr war es dann wieder soweit. Diesmal versuche ich gleich von ersten Kontakt an viel Druck zu machen und ihn die ersten 10 Meter vom eigentlichen Spot weg zu bekommen. Das gelang mir und somit war der Drill etwas entspannter. Ich hatte genügend Zeit und Fläche um den Fisch auszudrillen. Nach gut 15 Minuten intensiven Kampfes, war er dann endlich in den Maschen. Ein schöner ca. 9 Kg Spiegelkarpfen lag vor uns auf der Matte.

„Morgenstund und so… „

Ich beköderte die Rute neu und mischte das Futter an. In dieser Zeit wurde es langsam hell und ich konnte die wunderbare Stimmung, die über dem See lag, genießen. Einer der Momente wofür es sich absolut lohnt früh auf dem Wasser zu sein. Nach dem Ablegen verweilte ich auf dem Rückweg zum Ufer noch etwas auf dem See. Kein Wind, keine Stimmen, keine Motoren die diese Aura zerstören könnten. Einfach nur Natur! Nach dem Ablegen der Rute schliefen wir entspannt ohne einen weiteren Biss aus. Nach dem Frühstück begab sich Benny wieder aufs Wasser und suchte unaufhörlich nach neuen Spots und kontrollierte seine alten. In der Bucht lag das gesamte Futter noch da. Es schien als wäre das einfach nicht Benny´s  See. Wir nahmen an, dass die Fische ihre festen Fressrouten haben. Und die Homezone lag scheinbar genau neben meinen Spots. Das würde im Umkehrschluss heißen, dass die Fische zuerst an meinen Ködern vorbei kommen bevor sie die Gelegenheit haben Bennys Fallen zu finden. Wie wollen aber den nächsten Fisch abwarten, um dem Gedanken eine Bestätigung geben zu können. Prompt läuft gegen 13 Uhr die Rute auf 80 Zentimeter Tiefe. Es scheint zu stimmen, die Fische kommen von rechts und finden als erstes meine Köder. Ein schöner 7 Kg Fisch mit wunderschöner Zeichnung war das Ergebnis. Was ein toller Fisch!

„was für eine Perle“

Ich brachte die Rute neu aus, derweil verbrachte Benny immer noch Zeit damit seine Spots zu befüttern und die Ruten abzulegen. Der nächste Fisch soll aber Benny gehören. Er wollte gerade seine Rute ablegen da rennt bei mir die 3 Meter Rute los, es ist nicht zu glauben. Der Fisch nahm recht schnell viel Schnur von der Rolle. Ich rief Benny ran, damit er die Rute entgegennehmen kann. In dieser Zeit verlor ich den direkten Kontakt zum Fisch. Ich dachte mir nur „bitte nicht ins Holz“. Wir fuhren auf das gegenüberliegende Ufer, wo wir feststellen mussten, dass der Fisch sich ca. 20 Meter vom Ufer in das Krautfeld zurückgezogen hat. Wir konnten auch abgeschnittenes Kraut an der Oberfläche sehen. Leider konnten wir keinen Meter Schnur auf die Rolle ziehen. Wir hingen fest und das wider einmal bei Bennys Fisch. Die Stimmung war angespannt aber konzentriert. Nach einiger Zeit bekam Benny etwas Schnur bewegt und ein großer Ast erschien an der Oberfläche. Wir dachten beide „das war es jetzt“. Ich hob den Ast aus dem Wasser und befreite die Schnur. Ich habe was gespürt sagte ich zu Benny. Der Fisch ist noch dran! Wir führen sofort in die Mitte des Sees, um keine weitere Gefahr einzugehen. Nach weiteren 5 Minuten, ließ Sie sich das erste Mal sehen. Das war eine dicke Dame mit dem Potential die 10 Kg locker zu knacken. Benny drillt konzentriert und ganz ruhig und ließ sich seine Anspannung nicht anmerken. Nach weiteren 10 Minuten lag der Fisch im Kescher und ein Chor-artiges jubeln schallte über den See! Wir haben ihn, den dicken Fisch auf den wir so lange gewartet haben!!!! Wir haben vielleicht schon gar nicht mehr daran geglaubt. Die Wage zeigte uns 15,2 Kg an. Ich freute mich sehr für Benny der immer wieder fleißig und motiviert an sich gearbeitet hat, um doch noch einen Fisch zu fangen. Und dann gleich so ein dicke Mutti!

„zum Schluss noch einmal die 15,2 Kilo Dame von Benny“

Im Nachhinein müssen wir sagen, dass so ein Mythos über ein Gewässer, die eigene Fantasie antreibt und damit natürlich auch die Motivation solche Fische zu fangen. Das war für uns eine ganz neue Erfahrung, die uns echt Spaß gemacht hat. Wir durften wunderschöne Fische fangen, die aber nicht die 10 Kg knacken konnten. Aber wir haben auch einen großen Fisch fangen können der kein Zeiler oder ein Twotone war. Somit sieht man, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Vielleicht schwimmt ja doch noch der 20 Kg Zeiler in diesem See. Aber ist das Gewicht denn so wichtig? Wir sagen klar: NEIN! Wir lassen uns zu sehr von Gewichten leiten, als mehr darauf zu achten, wo und wie wir diese Fische gefangen haben, wie viel Mühe hinter diesem Fang steckt oder wie schön dieser Fisch gezeichnet ist. Wir hatten eine tolle Zeit am Wasser, voller neuer Eindrücke und Erkenntnisse. Das ist was wir wollen! Also setzt euch Ziele, die vielleicht nicht nur das Gewicht bestimmt. Jede Zielsetzung erfordert, dass man sich Gedanken darüber machen muss wie man an Dieses gelangt. In dem Fall haben wir keinen 20 Kilo Fisch gefangen aber sind trotzdem unglaublich gewachsen. Auch das Gemeinschaftsgefühl wurde an diesem Wochenende wieder mehr gestärkt, weil beide gemeinsam zu ihrem Erfolg kamen. In diesem Sinne wünschen wir euch, dass ihr genauso viel Spaß am Wasser habt wie wir und jede Minute genießen könnt.

Wir wünschen euch viel Erfolg am Wasser!
Benjamin Quaiser & Steven Klatt

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