Überwintern

Überwintern

Dieses Jahr ist alles anders, dieses Jahr machen wir es wie die Störche. Na ja fast, denn wir werden weder in Afrika überwintern, noch mithilfe unserer eigenen Kraft das Weite suchen. Wir, das sind ich und meine Freundin, werden uns im Oktober in ein Flugzeug setzen und in Asien, Heimat der Karpfen, überwintern. Wir haben uns vorgenommen dort zu bleiben, bis die Temperaturen hierzulande wieder ein erträgliches Maß angenommen haben, was meiner Meinung nach im April sein dürfte.

Ich begegne dieser Reise mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Weinend, weil durch die frühe Abreise der Herbst, die heißeste Phase des Jahres, nicht geangelt werden kann. Lachend, weil ich mit meiner Freundin ein halbes Jahr voller Abenteuer, Lehren und Neuanfang vor mir habe. Und spätestens, wenn hierzulande der Dezember mit seiner zwielichtigen Weihnachtszeit Einzug gehalten hat, werde ich froh sein im warmen Indien zu sitzen und mir einen lecken Chai zu Gemüte zu führen.

Wie, Wo, Was? Asien?

Doch wer in der Karpfenschule aufgepasst hat, weiß, dass Asien der Kontinent ist, aus dem unsere Zielfische ursprünglich stammen. Da juckt es mich natürlich die Großcousins der hiesigen Bartelträger mal auf die Schuppen zu legen. Das Angeln wird zwar keinen zentralen Stellenwert während unseres Aufenthalts einnehmen, dennoch werde ich immer mal wieder einen Haken ins Wasser halten können. Zumindest ist das die Absprache, die ich mit meiner Freundin getroffen habe…

Karpfenartige Fische gibt es in Asien viele. Vor allem die siamesische Riesenbarbe ist ein äußerst beliebter Speise- und Angelfisch in Indien und Südostasien (wie gut das genau dort unserer Reiseroute verläuft). Doch auch andere Fische der Familie der Cyprinidae warten in den tropischen Wassern der südasiatischen Länder auf uns. Meist sind es Arten mit verheißungsvollen Namen wie Rohu, Jullien’s Golden Carp oder Kalang. Diese Fische sollten teilweise über einhundert Kilogramm schwer werden und Größen erreichen, die unsere Karpfen bei weitem in den Schatten stellen. Deshalb werde ich erstens das Gerät etwas stärker wählen, und zweitens eher gezielt auf die kleineren Exemplare angeln, sofern dies möglich ist. Einen abgerissenen Fisch und eine zerfetzte Rolle möchte ich ehrlich gesagt nicht riskieren.

„Das ist alles, was ich in sechs Monaten Asien brauche“

Da die wilden Gewässer in Südasien oftmals massiv überfischt sind, mahle ich mir nicht allzu große Chancen mit meinen spontanen und kurzzeitigen Versuchen aus, doch darum geht es mir auch nicht. Was ich möchte, ist meinen Erfahrungsschatz erweitern und das Feeling zum Angeln nicht verlieren. Ich könnte natürlich auch in einem der zahlreichen Angelparks (Paylakes mit Luxusbungalow) in Thailand angeln, doch dort werden mich keine zehn Pferde hinkriegen! Sorry, aber angeln ist das nicht. Da blanke ich lieber dann und wann mal einen Abend oder einen Morgen an den großen und kleinen Gewässern des fernen Kontinents. In meiner Angelei werde ich mich an den von einheimischen praktizierten Techniken orientieren. Vielleicht kann ich ja noch den einen oder anderen Trick mit nach Hause bringen.

Die Ausrüstung

Wir reisen ein halbes Jahr mit unseren Rucksäcken durch Nepal, Indien, Thailand, Kambodscha, Laos und Myanmar. Ich denke, es sollte jedem klar sein, dass die Angelausrüstung bei unserem Vorhaben eine untergeordnete Rolle spielt. Ich werde mich deshalb auf die nötigsten Ausrüstungsgegenstände für das Fischen beschränken. Meine Rute ist eine 6ft lange Reiserute mit 3lbs Testkurve. Eine Daiwa Freams wird als Karpfenrolle missbraucht. Da ich dort nicht mit Booten oder ähnlichen Hilfsmitteln rechnen kann, habe ich mich für eine starke sinkende Geflechtschnur entschieden, die ganz einfach geworfen wird. 150 Meter Schnurfassung müssen reichen. Zur Not wird die Bremse geschlossen. Aber ich habe ja, wie gesagt, nicht vor die ganz großen Kollegen zu jagen.

Kleinteile sind natürlich das wichtigste Utensil. Hier vertraue ich auf die hiesig zu erwerbende Qualität! Komplizierte Rigs brauche ich nicht. Zwei Inlinebleie von 150 Gramm und zwei Futterspiralen werden mein Wurfgewicht bilden. Die Endmontage wird aus robustem 50lbs Material und einem robustem 4er oder 6er Haken bestehen. Wie ich letztendlich fischen werde, muss ich natürlich vor Ort entscheiden, aber mehr als diese wenigen Utensilien werden mich zunächst nicht begleiten. Als Kescher werde ich ein altes Netz missbrauchen, das ich im Falle eines Fanges einfach über den Fisch werfe. Improvisation, das habe ich bereits auf meiner ersten Asienreise gelernt, ist einfach alles!

„Kleinteile sind wahrscheinlich das Wichtigste…“

Wünscht mir Glück. Wenn Petrus auf meiner Seite ist, berichte ich hier vielleicht bald von einem ganz außergewöhnlichen Fang.

Bis nächstes Jahr wünsche ich euch dicke Fänge und keinen Schnupfen.

Bis bald

Euer Philipp

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