Mal wieder was Neues vom Strom

Mal wieder was Neues vom Strom

Seit unseren YouTube-Filmen über die Karpfenangelei im Berliner Spreeabschnitt haben Steven und ich viele Anfragen zum gemeinsamen Ansitz in der Hauptstadt bekommen. Es scheint so, als bestehe doch ein recht lebendiges Interesse in der hiesigen Karpfenszene daran einen der Hauptstadtkarpfen für sein Fangbuch zu ergattern. Da es für uns selbst auch mal wieder an der Zeit war in unserem „Hausgewässer“ nach dem Rechten zu schauen und wir Georg als äußerst sympathischen Zeitgenossen an einem Brandenburger See kennen gelernt hatten, entschieden wir uns kurzerhand unsere Juni-Aktion zu dritt zu realisieren.

Schnell einigten wir uns auf die Rutenverteilung und darauf drei Mal im Abstand von jeweils zwei Tagen zu füttern um dann einen kurzen Ansitz zu wagen. Beim Futter geizten wir nicht, da wir wussten das zumindest in Sachen Mais viele Mitesser zu erwarten sein würden. Also flogen pro Futterplatz jedes Mal rund zehn Kilo Mais, Tigernüsse und Weizen, sowie zwei Kilo Boilie-Pellet-Mischung in den Strom. Doch dies soll keine Geschichte über Futtertaktiken und Montagen werden. Das Angeln in der Hauptstadt hat Geschichten eines ganz anderen Kalibers zu bieten, die man so an den Seen und Flüssen der Umgebung niemals erleben würde. Davon möchte ich euch hier berichten.

Tolle Fänge, tolles Publikum

Natürlich fingen wir auch schöne Fische. Für Georg waren es seine ersten Berliner Jungs (und Mädels). Ausgesprochen spannend finde ich jedes Mal die Reaktion der Spaziergänger:

„Solche großen Fische schwimmen hier rum? Das ist ja Wahnsinn!“, und „Schmeißen Sie den wieder rein?“ – „Äh, ja klar, dabei versuchen wir aber den Fisch in möglichst hohen Bogen und mit einer annähernd perfekten Parabel zu schmeißen, damit es schön laut klatscht, wenn der Fisch auf die Wasseroberfläche auftrifft.“ (*Ironie aus*).

Selbst die ansässigen Aalangler staunen nicht schlecht, wenn sie sehen welche großartigen Fische ganz in der Nähe ihrer Würmchen ihre Bahnen durch das Wasser ziehen. Solche Begegnungen zeigen uns immer wieder, wie unterschätzt die Spree in Bezug auf das Karpfenfischen ist. Wenn selbst diejenigen, die dort jede Woche am Wasser sitzen keinen Karpfen dieser Größe je zu Gesicht bekommen haben, dann kann sich der Angeldruck auf die Cypries nur auf niedrigstem Niveau befinden. Uns freut das natürlich.

„Georg´s erster Spree-Karpfen „

Arglos nahmen die Karpfen unsere Köder und damit auch unsere Montagen ein um das andere Mal auf und wir drillten was das Zeug hält. Nur Steven hatte an diesem Abend etwas Pech, da ihm an seiner Stelle die besagten Aalangler Gesellschaft leisteten und die ganze Nacht lautstark ihre Montagen direkt am Futterplatz ins Wasser plumpsen ließen. Als dann morgens bei aufgehender Sonne und nach ein paar Mollen Kindl einem der lieben Kollegen sein Handy ins Wasser fiel – nach dem dann heldenhaft getaucht wurde – verabschiedete sich Stevie endgültig von dem Gedanken hier noch etwas fangen zu können. Aber mit besetzten Stellen ist hier tatsächlich immer zu rechnen.

„Auch die anderen Spots laufen gut“

Party, Party, Party!

Geweckt wird man beim Angeln an der Spree übrigens nicht von der Sonne, den Singvögeln oder einem schreienden Bissanzeiger. Nein, den Weckdienst übernehmen die verstrahlten Kinder der Stadt gerne für dich. So wurden wir, einer nach dem anderen, morgens um fünf von zwei, offensichtlich etwas überfeierten Jungs, geweckt, indem die zwei sich einfach vor den offenen Schirm hockten und anfingen los zu quatschen. Das man selbst soeben noch mit geschlossenen Augen in seinem Bett lag und friedlich vor sich hin schnarchte, schien die Beiden nicht im Geringsten zu interessieren.

„Sag mal können wir dich mal was fragen?“,…

… „Nein! Was denn?“, grummelte ich.

„Wir haben gesehen, dass du ein Boot hast…“, wir hatten jeder ein Boot dabei, da unsere Schirme im Abstand von 150 Metern am Ufer standen und wir auf Nummer sicher gehen wollten, „…und da wollten wir mal wissen, ob du uns auf die sonnige Seite der Spree bringen kannst?“

„Wie bitte? Euer ernst?“ Diese Frage stellten die Jungs wirklich einem nach dem anderen von uns. Ich denke unsere wortkargen Reaktionen werden alle mehr oder weniger ähnlich geklungen haben.

„Ja, du bekommst auch ein Bier wenn du magst. Wir sitzen dort drüben und sind zu fertig um zur nächsten Brücke zu laufen. Wir sind ungefähr 15 Leute…“

Ich denke ich muss nicht weiter ausführen, dass morgens um fünf, fünfzehn verstrahlte Hipster zum jenseitigen Spreeufer zu fahren nicht zu meinen Lieblingsaufgaben gehört. Dennoch wollten die beiden eine vernünftige Erklärung für meine Ablehnung ihrer vorgetragenen bitte hören. Können die nicht sehen, dass ich schlafen will?

Party on…

Ein paar Augenblicke später standen die nächsten Afterhour-Patienten neben meinem Zelt und wollten ihren Hunden, dort wo mein Boot im Wasser lag, eine Abkühlung verschaffen. Na ja, ist ja nicht mein Fluss und Stellen mit gutem Zugang zum Wasser sind auch rar, also macht mal…

Hätte ich geahnt, dass die beiden Herrchen 30 Sekunden später selbst im Wasser sein und mit ihren Hunden in Richtung meiner Schnüre schwimmen würden, woraufhin ich ihnen Lautstark zu verstehen geben musste, dass die andere Schwimmrichtung mir besser gefallen hätte, hätte ich von Anfang an dagegen insistiert. Nett, wie ich sie gewähren ließ, musste ich mich mit einem „Schnurschwimmer“ durch die Hunde und den unüberhörbaren Gesprächen über die weitere Planung ihrer Tour durch das Land der Psychopharmaka anfreunden.

Die Krönung war dann aber, als einer der Hunde sich spontan auf einem am Boden liegenden Boilie stürzte, der unglücklicherweise zu einer ausgemusterten Montage gehörte. Sch…ße! Schnell hatte ich reagiert …aber nicht schnell genug. Das Rig machte. Wozu es entwickelt worden war, es griff sich etwas Fleisch! Für eine sabbernde Hundezunge war der Haken allerdings nicht gedacht. Glücklicherweise konnte ich den Hund selbstständig vom Haken befreien. Wie ich das anstellte weiß ich selbst nicht genau. Eine Hand am Halsband des Hundes und eine leicht auf Zug am Rig reichten aus um den kleinen Sechsergreifer zu lösen. Der Unfall war mir natürlich peinlich und ich war drauf und dran mich für mein fahrlässiges Verhalten zu entschuldigen, da kamen mir die beiden Apothekenstammgäste auch schon aus dem Wasser und boten mir als Entschuldigung ihrerseits etwas Speed an. Ich lehnte dankend ab und verwies auf meinen Kaffee, der mir beim Angeln lieber sei. Im Nachhinein eine echt krasse Geschichte, wie man sie wohl nur hier erleben kann.

„ein echter Hauptstadt-Recke“

Das dicke Ende

Für Georg endete die Session leider mit einem kleinen Polizeiintermezzo. Die Ordnungshüter hatten ihm beim Auslegen seiner Montagen am gegenüberliegenden Inselufer beobachtet und wollten ihn darauf hinweisen, dass er nicht so nah an die Inseln fahren dürfe, da diese unter Naturschutz stehen. Leider dachten die Beamten nicht daran, dass so eine Montage durch Schnur mit der Angel verbunden ist und so sammelten die blauen Naturschützer Georgs Schnur mit ihrem Kiel ein, bevor er diese vernünftig absenken konnte. Es dauerte lange bis wir den Polizisten das Prinzip einer abgesenkten Schnur erklärt hatten und das diese grundsätzlich für die Schifffahrt ungefährlich sei, wenn man denn rechtzeitig dazu käme sie auf anderthalb Meter herunterzudrückenn. Glücklicherweise wurde die Schnur bei dem kleinen Unfall nicht gekappt und die Rute konnte ohne Probleme wieder scharf gemacht werden. Einen Strafzettel für Georg für das Befahren des Sperrgebietes gab es trotzdem… bittere Pille für den Guten.

„Georg bei seinem kleinen Polizeiintermezzo“

Das die Spreeangelei nicht immer so günstig für das Gerät ausgeht wurde mir am nächsten Tag bewiesen, als ein Boot es mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nicht so genau nahm und mir, ebenfalls beim Ablegen, kurz vor dem eigenen Ufer die Schnur mit seinem Motor durchtrennte. Ehrensache das ich die Montage mit der Tauchermaske und Schnorchel barg. Soviel Pflichtbewusstsein gehört meiner Meinung einfach dazu. Unsere Eingriffe in die Natur sollten wir stets überdenken und versuchen möglichst gering zu halten. 120 Meter Schnur inklusive einer scharfen Montage gehören in kein Wasser der Welt, auch nicht in den dreckigsten Fluss! Stellt euch nur den armen Fisch vor, der sich möglicherweise tatsächlich hakt und mit dem Anhängsel selbstständig klar kommen muss.

Trotz, oder gerade wegen der vielen unvorhergesehenen Eskapaden hat die Spreeangelei auch immer wieder viel für sich. Neben kampfstarken Fischen, die oftmals vom harten Stadtleben gezeichnet sind, bieten sich immer wieder Gelegenheiten sich in Geduld zu üben und mit interessanten und interessierten Menschen ins Gespräch zu kommen. Oder man wird sich darüber bewusst, wie schön es doch ist ganz alleine an einem kleinen See mitten im Wald zu sitzen und nichts kann einen überraschen, außer die Wildschweine oder das plötzliche Aufschreien der Bissanzeiger…

„doch für dieses Ergebnis lohnt sich einfach alles“

In diesem Sinne: Bleibt offen für die vielen Möglichkeiten, die uns das Karpfenangeln bietet!

Tight lines wünscht euch euer

Philipp Woywode

 

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4 thoughts on “Mal wieder was Neues vom Strom

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    Moin, das stimmt, es ist nicht jedermanns Sache. Auch wir bleiben nie länger als zweit Nächte an der Spree (Berlin). Wir sind dann auch lieber an einem schönen, ruhigen See und das am besten mitten im Wald. 🙂

  4. north_carp_sh

    Geile Story aber ehrlich gesagt, für mich wäre angeln in der Groß- bzw. Hauptstadt überhaupt nichts. Da gehe ich lieber in Ruhe an einen kleinen Vereinssee, wo die einzigen Störenfriede die Enten sind, die sich an den Boilies zu schaffen machen oder die schon beschriebenen Passanten, die eigentlich immer sehr freundlich und interessiert sind. Naja jedem das seine…

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