HOMEOFFICE – Saisonstart an der Spree

HOMEOFFICE – Saisonstart an der Spree

Wie ihr sicherlich schon mitbekommen habt, sind wir des Öfteren zum Karpfenangeln an der Spree unterwegs. Die Spree hat einen großen Vorteil für uns: sie ist innerhalb von 10 Minuten zu erreichen. Einige Spots liegen sogar nur 800 Meter Luftlinie von meinem Wohnort entfernt. Der Besatz ist nicht genau bekannt. Viele der dort schwimmenden Fische sind noch nie gehakt worden. Der Reiz, eine dicke Großstadt-Perle zu fangen, ist also sehr groß. Das Angeln an der Spree bedeutet aber harte Arbeit und Disziplin. Die vorhandene Wasserfläche ist enorm und Strukturen gibt es ohne Ende. Unter Wasser sind dies die Kanten und Rinnen. Über Wasser treten die markanten Stellen in Form von überhängenden Bäumen oder Industriehäfen auf. Die Spree, die auf weiten Strecken in der Stadt recht strukturarm ist, erlebt in „unserem“ Abschnitt eine regelrechte „Struktur-Explosion“. Auf einer Fläche von ca. 60 Hektar haben wir vier Flachwasserzonen in denen sich das Wasser schneller erwärmt. Normalerweise sind solche Flachwasserzonen in einem Fließgewässer nicht so zu bewerten wie Flachwasserzonen in einem stehenden Gewässer. Der Fluss ist immer in Bewegung und somit fließt auch das tagsüber erwärmte Wasser in der Regel sofort flussabwärts. Doch wir haben das Glück, einen fließberuhigten Bereich befischen zu können, in dem sich der Hauptstrom und ein Altarm treffen. In genau diesem Areal befinden sich die erwähnten Flachwasserbereiche. Die Wassertemperatur mitte März betrug dort knapp 10 Grad und genau hier fingen wir an zu füttern. Alle zwei bis drei Tage flogen seit dem 300-500g Murmeln auf einen Spot. Seit Anfang April füttern wir zusätzlich mit einem Partikelmix. Dieser setzt sich aus Mais, Weizen, Hanf und Tigernüssen zusammen. Wir gehen später noch mal auf die prozentuale Zusammensetzung ein, denn diese kann oft entscheidend über Erfolg oder Misserfolg sein. Und hier kann man langsam erkennen, was wir mit fleißig und diszipliniert meinen und dass das Füttern ein Muss an fließenden Gewässern ist!

„Partikelmix: Mais, Weizen und Tigernüsse“

Warum?

Klar könnten wir am Fluss auch versuchen den Fisch zu finden, um dann Fallen zu stellen. Da wir aber in der Wahl der Spots aufgrund der Bebauung der Stadt nur wenige Optionen haben, müssen wir den Fisch an unsere Spots holen. Die Vorstellung, dass die Karpfen am gefütterten Platz stehen bleiben und auf neues Futter warten, ist natürlich völlig illusorisch. Es ist einfach nicht möglich so viel Futter auf den Platz zu legen, dass die Fische länger als 2-3 Stunden beschäftigt bleiben. Selbst bei einem weit gestreuten Futterplatz wird man die pfündigen Staubsauger nur eine kurze Zeit am Platz halten können. Des Weiteren muss bedacht sein, dass in Fluss lebende Karpfen oft mehr Strecke zurücklegen und somit viel mehr Energie verbrauchen, was sie über Futter wiederaufnehmen müssen. Also geht der Weg nicht immer unbedingt über Futtermassen, sondern vielmehr über eine Kombination aus ausreichend Futter und der Regelmäßigkeit, mit der man es einbringt. Was wir damit erreichen können ist, dass die Fische sich diesen Platz merken und ihn in regelmäßigen Abständen anschwimmen. Einige Plätze werde ich das ganze Jahr mit Futter aktiv halten. Somit erreiche ich, dass die Tiere nicht nur regelmäßig vorbeikommen und fressen, sondern auch, dass sie ohne Angst fressen und wir so viel größere Chancen auf einen schnellen Biss bekommen. Und genau das ist das Ziel, bei einem Spot unweit der eigenen Haustür. Wir wollen schnell mal ein paar Stunden ans Wasser, erfolgreich sein und dann gut gelaunt zu der Freundin und Familie zurück kehren.

„Regelmäßiges füttern ist oft der Schlüssel zum Erfolg“

Bevor wir das Thema Futter abschließen, gehen wir noch einmal auf die Zusammensetzung der Partikel ein. Den größten Anteil (50%) des Futters nimmt der Mais ein. Die Vorteile liegen hier ganz klar beim Preis. Man bekommt ihn sehr günstig und somit kann man die Kosten für das Füttern in einem erträglichen Rahmen halten. Aber wir raten ab, mehr als 50% davon in seinem Mix zu verwenden, da Mais recht schnell sättigt weil er einen unglaublich großen Kohlehydrat-Anteil hat. Um das Sättigungsgefühl der Fische schnell wieder umzukehren, brauchen wir also einen Beschleuniger für die Verdauung. Das erreichen wir mit einem Weizenanteil von ca. 35-40%. Als kleines Bonbon füttern wir oft noch Tigernüsse, die von den Karpfen einfach geliebt werden. Der Anteil der Tigers sollte jedoch nicht größer als 10% sein. Auch hier ist es ähnlich wie bei dem Mais, die Nüsse sättigen unglaublich. Hinzu kommt der Umstand, dass die Nüsse nur zu geringen Anteilen verdaut werden. Das bringt wiederum einen großen und nicht oft beachteten Vorteil. Der Futterplatz vergrößert sich um ein Vielfaches. Durch den Weizenanteil passiert es nicht selten, dass die Fische nur kurze Zeit nach dem fressen die ersten Portionen wieder ausscheiden. Die zerkleinerten, aber nicht verdauten Nüsse verteilen sich in einem großen Radius rund um den angelegten Futterplatz. Kleine Fische werden das nicht lange unbeachtet lassen und anfangen diese Stücken zu fressen. Damit ist viel Bewegung im Wasser, was wieder andere Karpfen auf diesen Platz aufmerksam macht. Ein Effekt den wir unbedingt wollen.

Zum Schluss noch zum Hanf. Hanf fördert ebenfalls die Verdauung der Fische und hat somit eine positive Eigenschaft. Warum wir ihn aber hauptsächlich verwenden, ist die enorme Lockwirkung, die von dessen Öl ausgeht. Das Öl arbeitet in allen Wasserschichten und wird weit vom Futterplatz weggetragen und das wichtigste, die Karpfen lieben ihn. An den Tagen an denen wir dort fischen, setzen wir die Mais- und Tigernuss-Menge rapide herab. Der Hauptbestandteil des Partikelfutters besteht nun aus Weizen. Statt Körnchen zu füttern, setzen wir die Menge an Boilies etwas herauf. Wir möchten, dass die Fische nur noch perfekt verdauliches Futter vorfinden.

„Tigernüsse werden von den Karpfen geliebt“

Der erste Ansitz liegt mittlerweile bereits hinter uns. Den Einstieg in die Saison kann man sich wirklich leichter machen. Uns war von Anfang an klar, dass es schwer werden könnte bei Temperaturen um die 10 Grad hier Fische zu fangen. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

blog_3_3„In der Stadt wird es nie richtig dunkel“

Bis auf einige wenige Aktionen blieben die Bissanzeiger jedoch still. Leider klappt das Fische fangen nicht immer, aber wir bleiben den Plätzen treu und versuchen dieses Jahr noch den einen oder anderen Ansitz. Trotzdem hatten wir eine tolle Zeit am Wasser und konnten dem Alltag wieder etwas entfliehen. Und darum geht es ja schließlich auch, oder?!

„Auswertung der Nacht  und guter Kaffee“

 

In diesem Sinne wünschen wir euch tight Lines!
Steven & Philipp

 

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3 thoughts on “HOMEOFFICE – Saisonstart an der Spree

  1. Alex

    Wieder ein schöner und interessanter Artikel!
    Als Berliner möchte ich mich diese Saison auch gerne am Fluss probieren, vorallem weil die Seen um Berlin mittlerweile mit Karpfenanglern sehr überlaufen sind…..

    Flüsse sind meines Erachtens noch nicht so stark frequentiert, da es hier doch wesentlich schwerer ist zum Erfolg zu kommen.

    Ich habe es ähnlich wie ihr nicht weit zum Wasser. Die Havel liegt sozusagen bei mir vor der Tür.
    Es handelt sich um einen abwechslungsreichen und weitläufigen Teil der Havel mit sehr interessanten Spots.

    Leider besteht jedoch ein Nachtangelverbot und die Wasserpest reicht in meinem Bereich bis in die Fahrrinne und steht bis knapp unter der Oberfläche….

    Darum bin ich unsicher, ob es sich lohnt hier Zeit und Mühe zu investieren. Andererseits gibt es hier wahrscheinlich keine Karpfenangler, da ich noch nie welche gesehen habe.

    1. Steven Klatt

      Hi Alex,
      erst mal sorry für die späte Antwort aber wir waren stark mit Arbeit und vorbereiten unseres nächsten Ansitz beschäftigt.
      Also das Fluss-Angeln ist schon was sehr spezielles und fordert uns so einiges ab. Aus einigen Informationen konnte ich aber entnehmen, dass die Havel einen recht guten Besatz hat. Jungs mit denen wir auch ab und an unterwegs sind, probieren sich dieses Jahr auch an der Havel aus. Ich halte dich gerne auf den laufenden was deren Erfolge und Vorgehensweisen angeht. Wir wünschen dir Viel Glück bei den Zielen die du dir gesteckt hast.

      1. Alex

        Hi.

        Vielen Dank erstmal für deine Antwort. Ich wäre natürlich sehr daran interessiert noch ein paar Infos über die Havel zu erhalten und werde im Austausch natürlich auch über meine Erfahrungen und Vorgehensweisen berichten.
        In welchem Teil der Havel werden deine Jungs denn voraussichtlich fischen? Brandenburg oder Berlin? Ober-/Unterhavel?

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