Erlebnisse der anderen Art

Erlebnisse der anderen Art

Wir als Karpfenangler preisen ja oft den Mehrwert unseres Hobbys: die schöne Natur, die Einsamkeit am Wasser, die zwischenmenschlichen Erlebnisse…

Ich möchte euch in diesem Beitrag eine Geschichte erzählen, die mir tatsächlich so passiert ist und auf den ersten Blick nicht zu den schönen Erlebnissen gehört. Aber keine Angst, am Ende gibt es für alles eine Lösung, und so zeigt auch folgende Story, wie vielseitig und bereichernd unser Hobby sein kann.

Wie alles Begann

Wenn ich eine neues Gewässer erkunde, bin ich neben den strukturellen Merkmalen des Bodens, natürlich auch immer stark daran interessiert, einen Blick auf die tatsächliche Beschaffenheit dort unten am Grund zu erhaschen. Im Sommer und auch oft noch im frühen Herbst, bin ich zu diesem Zwecke mit der Tauchmaske und Schnorchel bewaffnet am und im Wasser zu treffen. Doch in diesem Falle fand die Erkundung eines neuen Gewässers in meiner Mecklenburger Heimat im Frühjahr statt und die Wassertemperaturen lagen noch im einstelligen Bereich. Deshalb musste ich mir etwas anderes einfallen lassen um genaue Informationen darüber zu bekommen, wo sich die Muschelbänke in diesem neuen Gewässer befinden, oder wie die Kanten des Sees aussehen.

Da ich im Rahmen meiner Filmerei oft auch Unterwasseraufnahmen meiner Spots mache, lag es nahe die Actioncam auch zum erkunden des Sees zu benutzen. Schnell hatte ich mir eine -zugegebenermaßen- wackelige Konstruktion mit geflochtener Schnur, dem Unterwassergehäuse und der kleinen Sony zusammengfriemelt…. Ich muss zugeben, mir war von vornherein nicht sehr wohl bei der Sache, aber ich sagte mir: „Wenn ich konzentriert bin und gut aufpasse, wird schon nichts passieren.“

…wer mich etwas besser kennt, wird wissen, dass ich das mit der Konzentration nicht immer so genau nehme…

Das Schicksal nimmt sein Lauf

Ich hatte eben gerade noch ein Karpfenanglerpärchen, das ebenfalls mit dem Boot und ihrem Aquascope auf dem See unterwegs war, kennen gelernt und zu einem kleinen Pläuschchen mit ihnen angesetzt. Es ist immer wieder schön neue Menschen und deren Sichtweisen zum Angeln und der Natur zu erfahren. Anschließend war ich zu einen flachen Bereich des Sees aufgebrochen, um hier meine Runden zu drehen und die Kamera ein paar Bilder für mich einfangen zu lassen. Ich mache es kurz: In einer scharfen Linkskurve kam die geflochtene Schnur in den Propeller des Elektromotors, der die dünne Verbindung zwischen mir und meinen kleinen elektronischen Helfer unmittelbar und mit eiskalter mechanischer Konsequenz kappte.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eure Wohnungstür hinter euch zuschlagt und im selben Moment denkt, ihr habt euren Schlüssel in der Wohnung vergessen? So ungefähr ging es mir, als ich bemerkte, dass die Spannung der Schnur schlagartig nachließ und unheilvolles andeutete. Leider kam der oftmals entspannende Moment nicht, in dem man bemerkt, dass der Schlüssel wider erwarten doch in der eigenen Tasche steckt. Nur ein leeres Ende des Geflechts lies sich aus dem Motor befreien…. so eine Sch….ße!!!!

Aquascope

Hatten nicht Bolle und Dietke, das nette Karpfenanglerpärchen, ein Aquascope dabei? Rasend schnell musste eine Entscheidung getroffen werden. Also Motor an und den beiden hinterher gefahren! Wie vernünftige Karpfenangler nun einmal sind, stellten sie mir das Hilfsgerät sofort zur Verfügung. Mit Hilfe des GPS-Kurses, den ich mit meinem Handy aufgezeichnet hatte, versuchte ich meine Strecke nachzufahren und irgendetwas weißes am Grund ausfindig zu machen. Keine Chance! Bei zwei Meter Sichtweite in drei Meter tiefem Wasser kann sich jeder den Grad meines Erfolges ausrechnen. Mit einem extrem ungemütlichem Gefühlscocktail aus Wut auf mich selbst und Ärgerei über die Gesamtsituation, fuhr ich mit dem Auto zurück nach Berlin.

Die Lösung meines Problems

Back in Town hatte sich bereits einiges in der Welt gedreht. Mein Bruder hatte bei einem Bekannten, von dem er wusste, dass er den See, der meine Kamera verschluckt hatte, des Öfteren betaucht, nachgefragt ob es in diese Richtung nicht eine Lösung für das Problem gäbe.

Tatsächlich wurde schnell der Kontakt über die allseits bekannten drei Ecken zu einem Tauchlehrer, der den See wie seine Westentasche kennt, aufgebaut. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont für meine kleine Angler- und Filmer-Seele, die sich insgeheim schon mit dem endgültigem Verlust der Kamera angefreundet hatte. Sollte doch noch eine Möglichkeit existieren das Gerät lebendig zu bergen?

2_2„Ronny der hilfsbereite Tauchlehrer“

Am Telefon machte mir Ronny, so der Name des hilfsbereiten Tauchlehrers, nicht viel Hoffnung. Bereits auf einer Fläche von 30×20 Metern sei das Finden von Gegenständen der Größe meiner Kamera, wie die Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Hinzu käme, dass bald das Kraut den gesamten Bodenbereich, auf dem die Kamera liegen musste, bedecken würde. Schnelles Handeln war also die Devise. Bereits am nächsten Wochenende verabreden wir uns zur Kamerasuchaktion am See.

Nachdem ich in der laufenden Woche den GPS-Track nochmals genau kontrolliert hatte und so die potentiellen Stellen zum Suchtauchgang weitestgehend eingrenzen konnte fuhr ich voller Hoffnung im Bauch, aber mit einer gehörigen Portion Skepsis im Hinterkopf, erneut in den Norden.

„Ronny in voller Montur“

Das Wetter auf dem See war für unser vorhaben nicht sonderlich zuträglich. Windböen von bis zu 22 Knoten können einem kleinen, ungekielten Schlauchboot, wie dem meinigen, ganz schön zusetzen. Doch was blieb uns übrig als wenigstens einen Versuch zu wagen? Meine Hoffnung war zu diesem Zeitpunkt bereits weit geringer als noch am Morgen dieses Tages. Am ersten potentiellen Verlustort, den meine GPS-App anzeigte warfen wir einen Anker und Ronny begann damit die Bojen bereit zu machen und Kurse in seinen Tauchkompass einzugeben. Dann verabschiedete er sich von mir und lies sich seitlich von meinem Boot in das 9 Grad kalte Wasser fallen… Viel Glück!

„Abstecken des Suchbereiches“

Nach langen Minuten des Wartens und Bangens, in denen ich jede Wendung und Veränderung der aufsteigenden Luftblasen genauestens verfolgte, kamen die an der Seeoberfläche blubbernden Luftblasen auf das Boot, in dem ich saß, zugesteuert. Ronny tauchte auf und begrüßte mich mit den Worten: „Tut mir leid, deine Kamera konnte ich nicht finden. Aber da lag sowas komisches hier rum und da habe ich dir eben das mitgebracht… .“ Er hatte meine  Kamera tatsächlich gefunden!!

„Zum Glück lief mein GPS-Track“

Ein Stein fiel mir vom Herzen, und mein Leben hatte eine neue Story zu erzählen, die ich hier gerne mit euch teile. Denn diese Geschichte erzählt viel, auch über das Karpfenangeln, selbst wenn kein Fisch darin vorkommt. Denn Karpfenangeln, das wisst ihr alle, ist mehr als nur Fische fangen. Es ist das durchleben von Höhen und Tiefen, von Freude und Ärger und ist damit ein Lehrer des Lebens. Denn beide Seiten der Medaille gehören dazu und machen das Leben erst aus. Ich für meinen Teil habe viel gelernt aus dieser Geschichte, und darum geht es doch oder?

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