Kellerkinder

Kellerkinder

Der Winter in Deutschland ist lang und hart. Wir gehen weniger angeln und haben geringere Fangchancen – keine leichte Zeit für einen Karpfenangler. Doch genau diese Zeit, diese langen ungemütlichen Winter, nutze ich um erstens wieder richtig viel Elan für die kommende Hochsaison zu tanken und zweitens meine Ausrüstung gründlich auf Vordermann zu bringen. Mitten in der Saison stellte ich oftmals kleinere Mängel oder Unzulänglichkeiten fest, die ich nun, in der Zeit der langen Abende, ausbügeln kann. Nun, da der Winter bald an uns vorübergezogen ist und die warmen Tage wieder anklopfen, kommt hier ein kurzes Update, wie ich die letzten Wochen und Monate verbracht habe.

Grundordnung muss sein

Der Winter begann für mich mit der allerwichtigsten Aufgabe und zwar der Grundreinigung meiner Basis. Ganz simpel aber äußerst effektiv. Ich nahm mir einen Tag am Wochenende Zeit meinen kompletten Keller auszuräumen, auszufegen und am Ende wieder systematisch einzuräumen.

Dadurch konnte ich einen halbwegs hygienischen Zustand wiederherstellen, denn über die Saison sammelte sich einiges an Partikeln wie Hartmais und Weizen in den Ecken des dunklen Kellers. Im schlimmsten Fall lädt dieses Gratis-Nahrungsangebot Nager in meine Parzelle, die sich dort wohnlich einrichten. Dann ist auch mein Schlauchboot und der Rest meiner Ausrüstung nicht mehr vor den scharfen Zähnen sicher. Die Gefahr solcher Schäden ist nicht so unwahrscheinlich, wie man vielleicht denken mag.

Mein Zuhause im Winter

Ein weiterer großer Vorteil der Aufräumaktion ist, dass ich verlorengeglaubte Gegenstände plötzlich wiederentdecke oder altes, unbrauchbares Zeugs plötzlich in den Händen liegt und nun endlich einmal entsorgt werden kann. Was noch brauchbar, aber nicht mehr für de persönliche Nutzen relevant ist, landet rigoros auf Kleinanzeigen-Seiten im Internet. Das spült erstens Geld in meine löchrige Anglerkasse und schafft zweitens Platz für Neues.

Auch ein neues Hand-GPS kommt fortan mit ans Wasser

Der Haupteffekt, den ich mir jedoch von so einer Aufräumaktion erwarte, ist die eingerichtete Ordnung und übersicht im Keller. Bei anstehenden Trips weiß ich sofort was wo zu finden ist. Selten benutzte Gegenstände landen weiter hinten im kleinen Keller, das Wichtigste in unmittelbarer Reichweite. Simpel aber wirkungsvoll.

Endlich wieder mobil

Ich habe kein Geheimnis daraus gemacht, das ich im letzten Jahr ohne eigenes Auto klar kommen musste. Das sollte sich für 2018 natürlich ändern. Der Kauf eines Gebrauchten ist garnicht so einfach, kann ich euch sagen. Hat man so konkrete Vorstellungen wie ich, bleibt keine sehr große Auswahl auf den Internetportalen für Gebrauchtfahrzeuge. Vielleicht 20-30 Wagen, über ganz Deutschland verteilt, erfüllten meine Kriterien.

Was auf der einen Seite die Qual der Wahl reduzierte, stellte sich rein logistisch zu einem echten Problem heraus. In der Regel sind die Wagen, die beim Händler stehen, nämlich abgemeldet. Das bedeutet das Auto ist nicht für den Straßenverkehr zugelassen und kann nicht selbst fahrend befördert werden. Für diese Fälle gibt es nochmalerweise Kurzzeitkennzeichen (die gelben), die man bei einer KFZ-Zulassungsstelle bekommt. In Berlin erhalte ich solche Kennzeichen jedoch nur gegen Vorlage der Originalpapiere. Die habe ich jedoch erst, wenn ich ein Fahrzeug auch tatsächlich gekauft habe. Die logistischen Schwierigkeiten kann sich jeder selbst vorstellen. Dieses Land ist manchmal echt kompliziert!

Ein Wagen in Hamburg hatte es mir schließlich angetan. Doch wie sollte ich den bloß nach Berlin bekommen? Wieder einmal zeigte sich mir, wie wichtig gute Freunde und Beziehungen sind, und auch auf die Gefahr hin, das mittlerweile jeder meiner Blogs vor Freudschaftshuldigungen trieft, wiederhole ich es gerne: Ohne Hilfe wäre ich nicht da wo ich jetzt bin! Ein hilfsbereiter Nachbar meiner Eltern bot mir an, das Auto auf einem Hänger zu holen, damit ich nicht extra wertvolle Urlaubstage opfern musste, um unter der Woche dreimal nach Hamburg zu fahren und stundenlang auf irgendwelchen KFZ-Zulassungsstellen zu sitzen. Einfach Göttlich das Gefühl wenn du nach einem langen stressigen Arbeitstag auf dein Handy schaust und eine MMS mit deinem neuen Wagen auf einem Anhänger zu sehen bekommst. Unbezahlbar. Jetzt wird wieder Strecke gemacht!

Der Fisch gibt mir Glück und hoffentlich allzeit gute Fahrt

Pläne für neue Gewässer

Wir lieben es neue Gewässer zu erschließen und für uns Unbekanntes zu entdecken. In unserer Gegend gibt es tausende Seen, die mal klein und flach ausfallen, oder riesig und tief, oder klein und tief, oder, oder, oder. Die Möglichkeiten sind grenzenlos!

Umso wichtiger ist uns eine gute Vorbereitung. Wir beginnen mit einer groben Internetrecherche und listen alle Namen von potentiellen Gewässern auf. In einem zweiten Schritt dünnen wir diese Liste anhand von Informationen, die wir aus dem Internet und Gesprächen beziehen, aus, bis wir nur noch eine handvoll Gewässer übrig haben.

Dann sind wir losgefahren und haben schließlich selbst ein Auge aufs Wasser geworfen. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Anfahrtswege ans Gewässer kennenzulernen und herauszufinden, wo wir ein Boot zu Wasser lassen können. Außerdem werden bereits jetzt  die potentiellen Angelstellen auf deren Beschaffenheit geprüft. Wie viele Leute können hier sitzen? Welche Bereiche des Sees lassen sich von hier aus erreichen? Wie sind die Ufer beschaffen?

Noch ist das Wasser hart, aber bald gehts wieder los!

Aus den ersten Eindrücken vor Ort ziehen wir die notwendigen Schlüsse über unsere benötigte Ausrüstung und wissen bereits lange vor der ersten Angelsitzung, wie wir wo herankommen. Diese Informationen sind besonders Hilfreich falls man mal im Dunkeln aufbauen muss, oder ein sommerlicher Regenguss Feld- und Anfahrtswege aufgeweicht hat. Am Ende haben wir fünf Gewässer auf unserer Liste, in der ebenfalls alle interessanten Informationen zum Fischbestand selbst, als auch die Konditionen vor Ort beschrieben sind. So vorbereitet sparen wir viel Zeit wenn das Fischefangen wieder voll im Fokus steht.

Taschen, Taschen und noch mehr Taschen

Meine Freunde machen sich mittlerweile schon lustig über mich, aber ich bin ein kleiner Taschenfreak. Diesen Winter habe ich meinen alten, großen Carryall durch einen neuen ersetzt, der sich wunderbar in meine Ausrüstung einfügt und etwas kleiner ist. Ich brauchte das Volumen meines alten Carryall nicht wirklich und farblich soll ja auch alles schön passen, oder?

Ebenfalls passend habe ich mir von neue Rutenfutterale gegönnt. Um immer flexibel zu bleiben habe ich nun ein Doppel- und ein Singlefutteral. So kann ich immer exakt die maximal erlaubten Ruten an das Gewässer mitnehmen und spare mir unnötiges geschleppe und Handgriffe. Der Clou ist, dass ich das Doppelfutteral ohne weiteres mit dem Single-Sleeve kombinieren kann und so ein schlankes Dreiergespann am Start habe. Kescher und Ruten habe ich so immer beisammen.

Ich liebe es!

Für meine Bootsausrüstung habe ich mir eine Medium Hammerdash zugelegt. Dort findet fortan alles seinen Platz was mit dem Boot im engeren Sinne zu tun hat. Das heißt Anker, Kleinteilebox fürs Boot, Seile und die Rigbox für den Bootsspiegel.

Ich liebe diese Ordnung und das Gefühl bereits zu Hause alles Wichtige gebündelt in irgendwelchen Taschen vorbereitet zu haben. Wenn es einmal schnell ans Wasser gehen soll, muss ich nicht 125 Kleinteile mühsam, und vor allem zeitraubend, zusammensuchen, sondern greife meine vier Taschen und alles ist beisammen. Ein beruhigendes Gefühl mit dem ich auch in kurzfristige Wochenendsessions starten werde.

Kameraausrüstung

Ihr wisst ja sicherlich, dass wir oft versuchen unsere Angelei in Bildern, seien es Fotos oder Film, festzuhalten. Mit den Jahren entstehen dabei immer wieder neue Bedürfnisse und Ansprüche an die eigene Qualität. Auch in diesem Punkt bietet der Winter Zeit sich zu verbessern und seine Ausrüstung neu zu organisieren. Für mich standen dieses Jahr neue Videoleuchten, eine Selbstauslöserfernbedienung, weitere Akkus, und Ladegeräte auf dem Programm.

Ich habe mich in diesem Winter von meiner Bivvy Bitch getrennt und meine Stromversorgung am Wasser auf mehrere 9 Amperestunden-Blei-Batterien umgestellt. Mit Krokodilklemmen ziehe ich mir den Strom von den Polen und leite diesen über einen KFZ-Stecker, in den ich einen USB-Adapter stecke, direkt in meine Geräte. So habe ich insgesamt mehr Power auf weniger Raum. Dadurch kann ich noch mehr filmen und endlich auch einen Fernseher am Wasser aufstellen 😉

Eine neue Stromversorgung gibts auch

Meine neuen Videoleuchten der Firma Neewer sind wesentlich schmaler als meine sperrigen Baustellenleuchten aus den letzten Jahren. Außerdem sind sie dimmbar und per ⅜ Zoll-Gewinde auf jedem Bankstick zu befestigen. ein echter Gewinn!

Auch Steven und Tristan haben in diesem Winter viel Geld in neue Kameraausrüstung gesteckt. Da kommt also einiges auf euch zu in diesem Jahr!

Endlich Zeit für Kleinigkeiten

Das Wichtigste für mich ist die Vorbereitung der Kleinigkeiten. Oftmals habe ich innerhalb des Angeljahres keine Zeit oder Muße mich mit dem zählen meiner Rigringe oder dem vorbereitendem Abtrennen von Boiliestoppern zu befassen. Am Wasser bin ich meist damit beschäftigt die Kamera zu bedienen und auf dem Wasser zu sein um Fische zu suchen. Da bleibt niemals Zeit für die Details.

Doch jetzt im Winter habe ich Zeit ohne Ende und nutze sie auch. Wenn ich meiner Freundin sage, ich bin mal kurz im Keller bei meinen Angelsachen, weiß sie bescheid, dass ich für mindestens eine Stunde nicht wieder auftauchen werde. Hier verliere ich mich in detaillierter Fummelarbeit und zerlege alles, was mir in die Finger kommt, um es am Ende gereinigt und inventiert wieder zurück zu packen.

Meine geflochtene Schnur inspizierte ich bis auf den letzten Zentimeter, ob dort nicht irgendwo auf den 500 Metern starke Aufreibungen durch Muschelbänke oder ähnliches zu finden sind. So eine Prozedur dauert schon gut und gerne eine Stunde pro Rolle. Und tatsächlich musste ich ein Rolle komplett neu bespulen da hier zwischen 150 und 350 Metern immer wieder starker Abrieb von mir entdeckt wurde. Bei solchen Dingen mache ich keine Kompromisse und wechsle rigoros die gesamte Schnur aus. Dafür weiß ich am Ende das ich mich auch in den kommenden Sessions einhundertprozentig auf meine Ausrüstung verlassen kann.

550 Meter Schnur zur Inspektion bereit
Rigoros tausche ich die wichtigste Verbindung zum Fisch aus, wenn etwas nicht stimmt

Das Gleiche gilt für mein Endtackle. Alles was ich zum binden meiner Rigs benötige, besorge ich mir am liebsten auf den Messen. Hier kann ich in aller Ruhe alles in die Hand nehmen und bin mir am Ende sicher, das ich nichts vergessen habe.

Am Messestand von Carpleads finde ich alles, was ich für meine Angelei an den großen Naturseen und Flüssen benötige. Hier habe ich mich mit Vorfachmaterial, Haken und allen anderen Ringen und Schräubchen, die ich so übers Jahr brauche, eingedeckt.

Grundrauschen am Messestand von Carpleads

Natürlich werden auch die Haken rigoros vorgeschliffen im Hause Woywode. Nur bei der Flussangelei mache ich diesbezüglich eine Ausnahme, da hier eine nachgeschliffene Spitze zu schnell stumpf wird. Eine tolle Beschäftigung an langen winterabenden vor dem Fernseher und bestens investierte Zeit in Anbetracht der näher rückenden Sitzungen.

Eckstein, Eckstein, alles muss perfekt sein!

Zu Guter Letzt wurde die Rigbox einmal komplett auseinandergenommen, jedes einzelne Rig in die Hand genommen und beim kleinsten Zweifel an dessen Wirksamkeit zerlegt und neu gebunden. Herrlich wie auch dabei die kalten Tage verfliegen.

So starte ich nun in den März und die ersten Sessions stehen vor der Tür. Ich fühle mich nach diesem Winter besser denn je Vorbereitet und kann es nun wirklich nicht mehr erwarten, bis ich das erste Mal wieder mit der bis ins Handteil durchgebogenen Rute im hüfttiefen Wasser stehe und meinem Angelpartner zurufe: “Jop, das ist ein Guter!”

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