Der Duktus des Karpfenanglers

Der Duktus des Karpfenanglers

Lasst mich das Wort Duktus kurz erklären. Das Wort bedeutet, dass man mehrere Charaktereigenschaften oder besondere Merkmale eines Jeden in Kategorien einordnen kann. Üblicherweise findet das Wort in der Typografie (Schriftarten) oder bei der Gestaltung von Medieninhalten gebrauch. Es geht darum, verschiedene Gestaltungsmerkmale in Gruppen zusammenzufassen. Genau das versuche ich in diesem Beitrag mit den Karpfenanglern anzustellen. Natürlich muss man aufpassen, dass man hier nicht allzu oberflächlich urteilt.

In den letzten Jahren habe ich den einen oder anderen See beackert und einige Angler kennenlernen dürfen. Und hier konnte ich feststellen, dass es zwei grundlegende Arten von Anglern gibt. Den Kommunikativen und den, der eher weniger aufgeschlossen ist. Während man mit dem aufgeschlossenen Angler sehr schnell ins Gespräch kommt und oft sehr viele gute Informationen austauschen kann, wird es bei den schweigsamen sehr, sehr schwer etwas zu erfahren.

Was sind die Gedanken hinter diesen Vorgehensweisen?

Was ist der Gedanke hinter solch einer guten Kommunikation und was bringt es dem Angler bzw. den Anglern? Grundsätzlich sind Informationen jeder Art sicher aufschlussreich. Gerade, wenn man neu an dem Gewässer ist, ist man froh über jede erdenkliche Info. Selbst wenn ich ein Gewässer schon zu kennen glaube, ist es immer wieder schön von anderen zu hören, wie sie das Gewässer wahrnehmen und was sie für Schlüsse aus ihren Erlebnissen ziehen. Es ist doch interessant zu sehen, ob diese Informationen deckungsgleich zu unseren eigenen sind, oder ob sie vielleicht in eine komplett andere Richtung gehen. Und genau das ist der Gedanke eines kommunikativen Karpfenanglers: der Austausch von wichtigen Informationen, die man dann mit seinen Eigenen vergleichen und gegebenenfalls umsetzen kann. Vielleicht bringt gerade das den einen Fisch mehr. Des Weiteren möchte ich meine erworbenen Informationen natürlich nicht vorenthalten. Man sollte das als Geben und Nehmen sehen. So ermöglicht man jedem, neue Ansätze zu finden und an dem jeweiligen Gewässer zu wachsen. Wenn man es so will, eine WIN-WIN-Situation.

„Nicht gerade unauffällig diese Karpfen-Angler“

Was ist der Gedanke Desjenigen, der gar keine Informationen rausgibt oder eventuell sogar Unwahrheiten erzählt, um anderen Anglern das Leben schwer zu machen? Ich gebe zu, das hört sich alles sehr übertrieben an, kommt aber leider gar nicht so selten vor, wie man glaubt. Daher sollte man keinen Informationen blind vertrauen, sondern immer seine eigenen Erfahrungen mit einbringen und nie aufhören, über seine Angelei nachzudenken und sogar zu hinterfragen. Nun ist die Art von Anglern, die einem bewusst falsche Informationen geben, gar nicht so selten anzutreffen. Ich möchte frech behaupten, es ist gut die Hälfte der Karpfenangler. Was deren Gedanke dahinter ist, kann ich nur mutmaßen und unterstellen. Ich will aber erst mal versuchen, diese Einstellung objektiv zu betrachten. Man sollte versuchen Verständnis und Akzeptanz dafür aufzubringen, denn es ist ja jedem selbst überlassen, was er mit seinen hart erarbeiteten Informationen macht. Da ich aus Berlin komme und mit einem dicken B auf dem Nummernschild selten gerne gesehen bin, kenne ich die Situation gut, dass die Leute sich mir gegenüber ausschweigen. Wenn man dann doch mal mit einem Angler, egal welcher Art, ins Gespräch kommt, zeigt sich schnell, woher der Wind weht. Wir Berliner benehmen uns oft komplett daneben. Man hört einen Großteil der Berliner schon 500 Meter, bevor man sie überhaupt sieht. Des Weiteren ist das Verständnis für die Natur und das verlassen der Angelplätze nicht sehr feinfühlig. Oft bleibt Müll liegen, oder es werden Lagerfeuer gemacht und nicht einmal gelöscht. Das sind sicher keine Regelfälle, aber sie kommen vor und sind mit Gründe warum gerade Berliner oft kein gutes Bild abgeben. Wen wundert es, dass man dann nicht mehr die Informationen bekommt, die man gerne hätte. Na klar kann ich jetzt sagen: „Aber ich bin da anders!“, aber die Menschen haben einmal eine schlechte Erfahrung gemacht und werden diese künftig versuchen zu vermeiden. Das ist eine mögliche Erklärung, warum einige Angler so vorsichtig sind. Das Berliner Kennzeichen dient hier natürlich nur einem Beispiel. Es gibt einhundert andere Gründe, warum Angler sich Anderen bzw. Fremden gegenüber ausschweigen. Jeder, der an seinem Hausgewässer schlechte Erfahrungen mit Gästen gemacht hat, kennt das Gefühl ganz genau. Ich denke nicht, dass alle Angler daran interessiert sind, anonym am Wasser zu sitzen und keine Unterhaltungen über ihr liebstes Hobby zu führen, aber die Prämisse liegt darauf, dass man auch noch in zehn Jahren dort seine Ruhe haben kann und der See nicht vermüllt ist und die Ufer zertrampelt sind. Das kann ich sehr gut verstehen und nachfühlen. Wiederum gibt es auch Karpfenangler, die sich aus ganz anderen Gründen ausschweigen. Diese sind für mich kaum nachzuvollziehen. Es sind Neid und Missgunst, die bei solchen Karpfenanglern zu erkennen sind. Das fängt in den Sozialen-Medien an und hört am Wasser auf.

Die sozialen Netzwerke

Ich bin viel bei Facebook und YouTube unterwegs und investiere darin recht viel Zeit. Häufig nebenbei, aber ab und an auch sehr intensiv und das immer dann, wenn ich eine Diskussion bei Facebook verfolge, oder selbst führe. Was ich dabei regelmäßig feststelle: oft sind es immer wieder die gleichen Themen, die zu großen Auseinandersetzungen in den Netzwerken führen. Beispiele hierfür sind: das Halten des Fisches beim Fotografieren, das hältern des Fisches für ein Tagfoto oder die Qualität des verwendeten Futters. Ich könnte ewig so weiter machen und für jeden wäre ein Thema dabei, was ihm ganz besonders wichtig erscheint. Grundlegend begrüße ich solche Diskussionen sehr, solange sie konstruktiv und sachlich geführt werden und da liegt oft das Problem. Sehr häufig fallen Beleidigungen, oder der Gegenüber wird als schlechtester Angler des Jahres gekürt. Das nehmen sich viele so sehr zu Herzen, dass sie es in die reale Welt mitnehmen. Viele fangen an, an ihrer Angelei zu zweifeln und werden unsicher, in dem was sie tun. Und hier ist einer der abgedroschensten, aber trotzdem wahrsten Sprüche angebracht: „Wer fängt, hat recht!“ Also sollte man Abstand von unkonstruktiver Kritik nehmen und sich eher Aussagen zu Herzen nehmen, aus denen man auch brauchbare Schlüsse ziehen kann.

Neid und Missgunst am Wasser

Wir selbst spüren diesen Neid, die Missgunst und auch die Angst immer wieder. Denn sie werden uns oft von anderen Karpfenanglern entgegengebracht. Sehr selten passiert das direkt am Wasser oder persönlich auf der Straße. Vielmehr hört man Dieses und Jenes aus unterschiedlichsten Ecken, oder man bekommt vielsagende Einträge in den Netzwerken. Wenn man dann doch einmal Glück hat und sich mit der Person unterhalten kann, wird es oft schnell hitzig und unsachlich. Gerade in Berlin, wo es nicht viele Karpfenangler gibt, die auch direkt in Berlin an der Spree fischen, merkt man immer wieder, dass hier die Missgunst am größten ist. An keinem anderen Gewässer habe ich solch einen Konkurrenzkampf erlebt. Woran mag das liegen? Zu wenig Wasserfläche für zu viele Angler? NEIN! Ganz klar: Nein! Es ist vielmehr das Privileg, was viele glauben zu haben. Und zwar, dass man einer der Wenigen, wenn nicht sogar der Einzige ist, der dort Fische fängt. Jeder der sich auch nur ansatzweise in der Nähe aufhält und angelt, wird als Konkurrenz angesehen und das leider nicht auf sportliche Art und Weise. Hier zählt es auch nicht, wenn dich jemand beim füttern sieht. Wenn man ganz viel Pech hat, füttert man eine Woche und am Wochenende sitzt jemand der dich dabei gesehen hat an deiner Stelle. An einem See kann man das oft nicht vermeiden. Hier ist es eine Glückssache ob man seinen Platz, den man befüttert hat, auch am Ansitztag bekommt. Die Frage, die man sich stellen muss, ist, was bringt uns solch ein Verhalten untereinander? Wäre es nicht besser miteinander zu arbeiten? Ich habe in diesem Jahr einige Karpfenangler an der Spree getroffen. Darunter auch einige, die das Fischen dort in nächster Zeit probieren möchten. Wir haben die Telefonnummern getauscht, um genau solche Situationen, wie oben beschrieben, zu vermeiden. So sind wir in der Lage zu erfragen wann, wer, wie, wo gefüttert hat, oder eventuell angeln möchte. Man teilt sich den vorhandenen Platz auf oder teilt sich einige Spots zu zweit. Das kann man handhaben wie man möchte. Wichtig hierbei ist die Kommunikation. Gerade wenn wir als sogenannte „Szene“ wahrgenommen werden möchten, ist es wichtig eine Gemeinschaft darzustellen. Wir müssen uns sicher nicht zu Kaffee und Kuchen im Park treffen, aber wir sollten miteinander zurechtkommen. Nur so ist es gewährleistet, dass man mit Spaß bei der Sache bleibt. Gerade Nachwuchs-Anglern sollten wir mit solch einem Verhalten ein Beispiel sein, denn in einigen Jahren sind sie deine Nachbarn am Wasser und alles was man ihnen jetzt Gutes vermitteln kann, kommt uns später zugute.

„Für viele Kollegen einer der schlimmsten Anblicke, zwei fremde Bivy´s“

Ein kleines Resümee des Artikels ist: Seid nett zueinander und reflektiert Euch und euer Verhalten am Wasser. Wir haben bekanntlicherweise auch viele Gegner des Karpfenangelns da draußen. Umso wichtiger ist es, dass wir als starke und große Gemeinschaft agieren.

In diesem Sinne, seid lieb zueinander!

Steven Klatt

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2 thoughts on “Der Duktus des Karpfenanglers

  1. Steven Klatt

    wir müssen auch ganz klar Vorbilder sein. 🙂

  2. Torsten Krause

    ich bin ganz deiner Meinung. Was wir heute säen werden wir Morgen ernten.

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