Das Gute liegt oft so nah

Das Gute liegt oft so nah

Ach ja das Karpfenangeln ist schon alles andere als einfach. Ständig sind wir auf der Suche nach neuen Herausforderungen und neuen Gewässern, immer auf der Jagd nach dem schweren Bartelträger. Oft fahren wir dafür mehrere hundert Kilometer. Fernab von den Großstädten haben wir oft das Glück, große Seen alleine befischen zu dürfen. Auch ich kann mich davon nicht freisprechen. Das alles ist aber immer verbunden mit einem enormen Aufwand. Seit dem letzten Jahr habe ich aber die Gewässer vor meiner Haustür für mich entdeckt. Wie in den vorgehenden Artikeln geschrieben, kann man hier mit etwas Aufwand sehr gute Fische fangen. Das sind schöne Alternativen, gerade wenn man nicht immer zwei Nächte raus kann, können die Gewässer vor der Haustür ein Segen sein. Grundlegend kann man bei fast jedem Gewässer davon ausgehen, dass es dort einen Karpfenbestand gibt. Ob der nun üppig oder eher etwas schmal ausfällt, ist in erster Linie egal. Hier ist der Weg das Ziel.

„auf der Suche…“

In diesem Jahr bin ich beruflich sowie familiär sehr stark eingebunden und muss meine Angelei dem anpassen. Da ist es nahliegend, dass ich die Gewässer vor meiner Haustür mal genauer unter die Lupe nehme. Meine Kriterien für diese Gewässer sind nicht besonders hoch. Auch über den Bestand mache ich mir keine besonderen Gedanken. Nun haben wir schon viel über einen srömungsberuhigten Bereich in der Spree geschrieben, den wir in der letzten Zeit regelmäßig beangelt haben und auch Erfolge feiern konnten. Der Nachteil an dieser Stelle ist, dass es dort sehr aufwendig ist zu fischen. Es ist nahezu unmöglich seine Montagen ohne Boot an die richtigen Stellen zu bekommen. Dementsprechend aufwendig verhält es sich mit dem Füttern. Ich suchte also nach einfacher erreichbaren Stellen. Dabei fokussierte ich mich nicht nur auf die Spree, sondern auch kleine Seen in der Stadt oder in der nahen Umgebung wurden unter die Lupe genommen. Als ich den ersten See anschaute, wurde mir klar, dass wir in Berlin Sommer haben. Alle Seen in der Stadt waren restlos überfüllt mit Badegästen. Also fiel meine Entscheidung wieder auf die Spree, was aber keineswegs schlecht war. Es ist das naheliegendste Gewässer von allen und deren Bestand ist mir immer noch fast unbekannt. So entschloss ich mich, am Hauptstrom eine kleine Futterkampagne aufzuziehen. Schon bei der Spotwahl merkte ich, wie sehr ich das urbane Angeln liebe. Das Restlicht des Tages, das Licht der Laternen und der Wohnungen, erzeugen eine ganz eigene Stimmung.

„die Uferbereiche sind immer einen Versuch wert „

Da bei den anderen Sports, eine dreimal Futtertaktik recht gut aufging, entschloss ich mich diese auch hier zu übernehmen. Das Einzige auf was ich wirklich viel Wert gelegt habe, war die Uhrzeit. Ich wollte die Fische auf ein gewisses Zeitfenster konditioniert, da ich nur wenige Stunden und keine ganze Nacht am Wasser verbringen wollte. Beim ersten Mal fütterte ich eine recht große Fläche, circa ein halbes Fußballfeld. Beim zweiten Mal fütterte ich nur noch die Hälfte der Fläche. Schlussendlich fütterte ich beim dritten Mal nur noch die besagten Spots. Hiermit wollte ich erreichen, dass Fische die am Hauptstrom entlang ziehen auf das Futter aufmerksam werden und auch die ufernahen Bereiche anschwimmen. Hier sollten sie über die nächsten Tage regelmäßig Futter finden. An einem Sonntagabend sollte es so weit sein. Ich packte das Auto nur mit dem nötigsten und war erstaunt, wie wenig man doch braucht. Ein Rucksack, ein Stuhl, ein bisschen Futter und die Rutentasche. Das sollte es gewesen sein. Am Platz angekommen ging es ziemlich schnell. Ein wenig vorgefüttert, die Ruten aufgebaut, Montage fertiggemacht und rein damit. Aber immer wieder taucht die Frage im Kopf auf „ob das alles so einfach funktionieren kann?“. Wenn ja, warum machen das nicht alle so? Die Antwort darauf ist simpel: die ufernahe Art auf Karpfen zu angeln finden wir nur noch selten in den Medien und Berichten. So selten, dass wenn es jemand macht, die ganze Szene erstaunt ist, dass es so einfach gehen kann. Ein gutes Beispiel hierzu ist Markus Lotz mit seiner neuen DVD. Ich möchte das Angeln mit Boot auf weite Distanzen auf keinen Fall abwerten oder schlecht reden, denn ich betreibe es selbst zu 90% in meiner Angelei. Aber ich finde es interessant und wichtig zu wissen, dass es auch anders gehen kann. Es bringt einen so viel neuen Eindruck und Erfahrungen.

„für ein paar Stunden braucht man nicht viel „

Nun zurück ans Wasser.

Das Schöne an den beschriebenen Stellen ist, dass die Freunde es nicht weit zu einem haben. Benny und Philipp kamen mich an diesem Abend besuchen. Schnell waren wir in unseren Gesprächen vertieft, als Philipp mich plötzlich darauf aufmerksam machte, dass die Spitze meiner rechten Rute durch ein ruckartiges Wackeln etwas ankündigte. Im nächten Moment gab es einen Dauerton meiner Bissanzeiger. Da wir genau vor der Rute saßen dauerte es mit dem Anhieb nicht lange. Wahnsinn keine 10 Meter vor unseren Füßen. Ungläubig nahm ich den Kampf auf. Der Fisch drehte ein paar kleine Runden aber wehrte sich nicht sonderlich. Ich rechnete mit einem 8-10 kg Fisch, was für mich trotzdem ein voller Erfolg gewesen wäre. An dieser Stelle, mit dem schmalen Tackle, in kürzester Zeit, durchaus effektiv. Nach ein paar Minuten ließ sich der Fisch an der Oberfläche blicken und uns viel es wie Schuppen von den Augen. Das war ein richtig guter, alter Spiegler. Als der Fisch dann im Netz war, konnten wir unseren Augen kaum glauben. Schon beim rausheben habe ich gemerkt, dass dies nicht „nur“ ein 15 Kilo Fisch ist. Mein PB sollte an diesem Abend einen neuen Wert bekommen. Dass ich mit diesem Fisch kein Stück gerechnet habe, zeigt auch die Tatsache, dass ich weder Kamera noch Waage dabei hatte. Schnell hat sich Philipp mit dem Fahrrad auf den Weg nach Hause gemacht, um wenigstens eine Waage und etwas Licht für die Fotos zu besorgen. In dieser Zeit haben wir den Fisch versorgt und in der Sling im Wasser aufbewahrt. Keine 15 Minuten später stand Philipp wieder neben uns. Wir schätzen er ist einen guten 25-er Schnitt gefahren und das ohne Rennrad. Also machten wir ein paar Fotos mit dem Smartphone und wogen den Fisch. Das Ergebnis war einfach nur brutal! 21 Kilogramm!! WHAAAAT THEEEE FU..! Der mit Abstand beste Fisch in meiner noch jungen Karpfenangler-Laufbahn. Und das vor meiner Haustür und nach nur 2 Stunden. Ich bin ehrlich, ich habe meine Erwartungen recht gering eingeschätzt und wäre über jeden Fisch durchaus zufrieden gewesen. Aber das dieser alte Mann mich am Abend besuchen kommt. Wahnsinn!

„Der alte Herr aus der Hauptstadt“

Was ich mit diesem Artikel sagen möchte, ist, dass man nicht immer hunderte Kilometer fahren muss, um erfolgreich zu sein. Wer mit wenig Zeit regelmäßig Fisch fangen will, sollte über Gewässer der Nähe seines Wohnsitzes nachdenken. Mit dem 21 kg Fisch habe ich natürlich extrem viel Glück gehabt und das sind auch nicht meine Erwartungen, wenn ich nahliegend fische. Mir geht es vielmehr darum, regelmäßig am Wasser zu sein. Wiederum zeigt dieser Fisch auch, dass jedes Gewässer für eine Überraschung gut ist. Vielleicht habt ihr auch so viel Glück oder könnt einfach ohne viel Stress regelmäßig gute Fische fangen.

„Wie der Berliner sagt: Komm ran, ick kleb‘ dir eene!“

In diesem Sinne wünschen wir euch viel Erfolg und gute Fänge!

Cyprid-Hill

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