Am Anfang war das Futter

Am Anfang war das Futter

Für uns beginnt die Saison, wie für die meisten von euch, mit dem Futter. Dieses Jahr habe ich mich jedoch nicht in meine eigene Küche gestellt und die Boilies für die kommende Saison produziert. Das hat vor allem einen Grund, und zwar die, im Vergleich zum Vorjahr, stark gestiegene Menge der benötigten Boilies. Mehrere hundert Kilo Karpfenpralinen hätte ich bei meiner lieben Freundin beim besten Willen nicht durchboxen können. Und auch die Nachbarn sind sicherlich dankbar, dass die extrem „lecker“ duftenden Fischmurmeln dieses Jahr nicht drei Tage zum trocknen auf dem Balkon liegen.

Statt der guten alten Heimarbeit habe ich mich also dieses Jahr mit meinem Freund Steven an eine renommierte Boilieschmiede gewandt und dort ein bewährtes Rezept in Auftrag gegeben. Gemeinsam mit dem Chef der Produktionsfirma haben wir den guten alten Mix noch weiter verfeinert und so einen soliden Boilie entwickelt, der ohne großen Schnickschnack in der Lage ist Fische zu fangen.

Wie jetzt?

Bei der Zusammensetzung der Murmeln war uns vor allem wichtig, dass das Nährstoffverhältnis stimmt und dass die kleinen Stinker möglichst schnell „arbeiten“. Um die vierzig Prozent Proteingehalt sollten unsere Boilies haben, denn damit entsprechen sie am ehesten der natürlichen Nahrung der Karpfen. Außerdem wollten wir den Kohlenhydratanteil nicht zu sehr in die Höhe treiben. Mit sechzehn Prozent ist unser Boilie geradezu ein Leichtgewicht. Das gleiche gilt für den Fettgehalt. Sechzehn Prozent genügen! Nicht dass wir hier falsch verstanden werden, wir wissen das Fett und Kohlenhydrate im Boilie notwendig und außerdem nicht zu vermeiden sind, aber hier gilt für uns: Weniger ist Mehr!

Lange haben wir überlegt wie wir mit den Attraktoren umgehen sollen. Ursprünglich sah das Rezept sowohl Monstercrab- als auch Tintenfischflavour vor. Doch Flavours sind erstens ein nicht zu vernachlässigender Kostenpunkt und zweitens stets ein wenig undurchschaubar in ihrer Zusammensetzung. Jeder Hersteller hat sein eigenes Geheimrezept und wird verständlicherweise den Teufel tun dies in den Onlineshops zu publizieren. Alles in allem ist das Spiel mit den künstlichen Aromazusätzen also eine ziemlich undurchschaubare Sache, der wir gerne aus dem Weg gehen wollten. Wir entschieden uns deshalb dieses Jahr konsequent auf ein Flavour zu verzichten und stattdessen auf 100% natürliche Stimulanzien zu setzen. Robin Red ist seit jeher Bestandteil meiner Hausmischung. Und daran wird auch nicht gerüttelt! Erstens gibt es dem Boilie eine schöne Farbe, zweitens ist der scharfe Geschmack einfach ein überzeugender Grund für die Karpfen immer wieder zu kommen und sich die Bäuche voll zu hauen. Neben dem bewährten roten Robin ist dieses Jahr das sogenannte Betain in dem Mix gekommen. Das unter Karpfenanglern oftmals als Wundermittel gepriesene Rübensaftprodukt, ist ebenfalls für seinen fressstimulierenden Effekt bekannt. Also rein damit! Bei der Dosierung sscheiden sich die Geister. Wir halten zwei Prozent Betain im Trockenmix für ausreichend.

„Futter für das ganze Jahr“

Erst die Arbeit…

Doch wie war das nochmal mit dem arbeiten? Hiermit meinen wir, das der Boilie, sobald er im Wasser landet, schnell sein Aroma an das umgebende Wasser abgibt und den Fischen damit ein Signal aussendet, dass hier etwas Fressbares zu finden ist. Diesen Effekt erreicht man am ehesten durch eine grobe Struktur der Oberfläche. Denn hiermit wird natürlicherweise die Oberfläche des Boilies größer, was mehr Wassermoleküle mit den Bestandteilen des Boilies in Berührung bringt. Und dieses Wasser hilft dabei den Boilie auszuschwemmen und unsere Attraktoren zu verteilen. Das ist es doch letztendlich was wir alle wollen, oder nicht? Gerne ließen wir uns vom Profi beraten wie wir diesen Effekt optimieren können. Grundsätzlich sollte jeder bereit sein sich helfen zu lassen, wenn die Hilfe auf fundierter Erfahrung beruht. Und sind wir mal ehrlich, wer hat mehr Erfahrung im Boiliegeschäft als jemand, der dies seit Jahren hauptberuflich tut und schon mehrere Tonnen Material verarbeitet hat. Richtig! Niemand. Wir reduzierten also auf Ratschlag den Weizengriesanteil im Boilie. Weizengries verklebt die Oberfläche der Knödel und verhindert damit den oben beschriebenen Effekt. Außerdem fügten wir stattdessen etwas Bierhefe hinzu. Die Hefe fördert eine beschleunigte Zersetzung des Boilies im Wasser und damit erzielen wir genau das Resultat das wir wollen. Ein hart schuftender kleiner Karpfenleckerli war geboren.

blog2_3„Das Ergebnis: Ganz einfach und einfach schön“

Das Zünglein an der Waage.

Doch eine Kleinigkeit fehlt uns noch zum Glück. Der oben beschriebene Boilie stellt das Grundgerüst unserer Angelei und Futterkampagnen dar. Er erfüllt Nährwertspezifisch unsere Vorstellung völlig und ist deshalb auch für lange Futterkampagnen bestens geeignet. Doch gerade wenn es schnell gehen muss und keine langen Kampagnen vor dem Angeln stattfinden, halten wir einen optischen Reiz auf dem Futterplatz für angebracht. Die rotbraune Farbe des Fischmehlboilies erfüllt diese Ansprüche nicht. Eher unauffällig wird er sich am Gewässerboden verstecken. Aus diesem Grund setzen wir auf Kontraste! Der stärkste Kontrast zu den Farben, die in einem Gewässer vorkommen, ist weiß. In dieser Hinsicht machen wir es uns einfach und greifen auf fertige Produkte zurück. Fast jeder Hersteller bietet mittlerweise mindestens einen weißen Boilie in seiner Range an. Wir möchten diesbezüglich jedoch keine Empfehlung für einen bestimmten Hersteller aussprechen. Jeder soll das Produkt verwenden, dem er vertraut! Außerdem haben Steven und ich uns noch nicht auf einen weißen Boilie geeinigt, den wir beide dieses Jahr fischen wollen. In dieser Hinsicht hat wohl jeder seine eigenen Vorlieben und das ist auch gut so.

Da die „Whities“ nur der optischen Aufmerksamkeitssteigerung dienen, mischen wir diese im Verhältnis 1:5 unter die Fischis und können uns so sicher sein alle Sinne der Karpfen anzusprechen. Wir glauben fest daran mit diesen Überlegungen eine maximal erfolgreiche Saison zu fahren und freuen uns schon darauf euch diesbezüglich auf dem Laufenden zu halten.

„Weiße Murmeln für den visuellen Aspekt“

In diesem Sinne wünschen wir euch eine fischreiche Saison mit gut durchdachtem Futter!

Philipp & Steven

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4 thoughts on “Am Anfang war das Futter

  1. Alex

    Bei wieviel Euro das Kilo seid ihr mit eurem Boilie gelandet?

    1. Steven Klatt

      Hey Alex, wir sind bei Ca 5€ gelandet. Für eine gute Qualität also recht günstig. Grüße

      1. Alex

        Das ist wirklich ein top Preis und zeigt, dass gute Köder nicht teuer sein müssen.

        1. Steven Klatt

          So schaut es aus! Klar muss man auch dazu sagen, dass man eine größere Menge abrollen muss, um diesen Preis zu erzielen. Aber grundlegend muss eine gute Murmel keine 16€ kosten.

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